Landwirtschaftlicher Betrieb "Ebnet"

Landwirtschaftlicher Betrieb "Ebnet"

Im Dezember 2019 musste der Ortsbürgerrat mit Bedauern entgegennehmen, dass die Familie Locher die Pacht der landwirtschaftlichen Liegenschaft „Ebnet“ per Ende 2020 aufkündet. Die vorgesehene Weitergabe an die nächste Generation kam leider nicht zustande. Mit der Hilfe von Walter Appert vom landwirtschaftlichen Zentrum SG in Salez, begann die gemeinsame Suche nach einem neuen Pächter. Es wurde mit vielen Bewerbern geredet und verhandelt. Wir sind davon überzeugt, mit der Familie Kuster die richtigen Pächter für die „Ebnet“ gefunden zu haben.

"Naturnahe Landwirtschaft ist uns wichtig"

Seit Anfang Jahr ist unsere Pächterfamilie in der «Ebnet» eingezogen. Zeit für einen Besuch. Als wir Mitte Februar eintreffen, begrüssen uns die Kids. Marlen und Daniel sind beide am Telefon und führen Gespräche. Am einen Ort geht es um die Schule, am anderen um die Landwirtschaft. Es ist wieder Leben in die «Ebnet» eingekehrt.

Drei Wochen hatte vorher die Sanierung des Gebäudes gedauert: Neue Küche, neue Bäder, geschliffene Böden, aufgefrischte Räume. In den Zimmern stapeln sich noch die Umzugskisten. Aber Familie Kuster fühlt sich wohl. Viele Spaziergängerinnen und Spaziergänger würden sich im Vorbeigehen erkundigen, wie sie sich eingelebt haben, was sie so machen und wie sie ihre Landwirtschaft betreiben.

Wir fragen die beiden, warum sie sich entschieden haben, sich für unsere Pacht zu bewerben.

Marlen Kuster: «Wir hatten schon lange den Traum einer eigenen Landwirtschaft und dazwischen hätten wir fast aufgegeben. Wir sind beide auf Bauernhöfen aufgewachsen und haben die Ausbildung. Mein Mann war bisher als Bauer angestellt. Ich habe die Lehre als Hotelfachassistentin absolviert, dann die Bäuerinnenschule besucht und den Fachausweis erlangt.»

Daniel Kuster «Es gibt viel Arbeit. Aber das haben wir ja gewusst. Und auch so gewollt. Etwas Eigenes. Klar: Wir stehen früh auf und gehen spätabends ins Bett. Aber im Gegensatz zu vorher, sehen wir die Kinder aufwachsen. Die Familie ist vereint. Eine Herausforderung wird es sein, dass Marlen und ich nun viel näher zusammenarbeiten. Man ist also nicht nur privat beisammen, sondern auch beruflich. Da werden wir sehen, wie wir uns organisieren. Was macht sie, was mache ich. Aber das wird sich einspielen.»

Wir möchten von Kusters wissen, was sie für Pläne haben. Daniel Kuster: «Ackerbau ist hier oben kein Thema. Wir haben eine Milchwirtschaft und Obstbau. Das wird uns am Anfang genügend auslasten. Es ist ein Abtasten, was möglich sein kann».

Die Ortsbürgergemeinde hat sich in ihrem Leitbild Nachhaltigkeit auf die Fahne geschrieben. Was die Landwirtschaft betrifft, bietet die Ortsbürgergemeinde Hand, falls irgendwann bei Kusters der Wunsch nach Umstellung auf Bio konkret werden sollte.

Daniel und Marlen Kuster wollen auf jeden Fall eine naturnahe Landwirtschaft führen. Biodiversität sei ihnen wichtig. Zuerst müssten sie aber in die Landwirtschaft reinkommen, den Boden, seine Beschaffenheit und Struktur kennen, um auch zu sehen, was überhaupt möglich ist. Boden sei nicht gleich Boden. Daniel überlegt und fügt an, ihnen sei aufgefallen, wie viele Vögel von den Obstbäumen angezogen werden. Das habe sie an das Vernetzungsprojekt «Schlossweiher» erinnert, dass ganz grundsätzlich seltene Tier- und Pflanzenarten fördern möchte. Ein Termin mit einer Fachfrau des Projekts sei bereits vereinbart. Das Vernetzungsprojekt Schlossweiher dauert bis ins Jahr 2024. Es beteiligen sich 57 Landwirte aus Untereggen, Goldach, Rorschacherberg und Eggersriet. Für einen nachhaltigen Erfolg sind das noch zu wenig. Aber Kusters sind überzeugt von der Idee. Und die Ortsbürgergemeinde Rorschach ist überzeugt, mit Familie Kuster die richtigen Personen gefunden zu haben, die hier heimisch werden und Schritt für Schritt Neues ausprobieren möchten. Marlen ergänzt am Schluss, sie hätten einen mobilen Hühnerstall bestellt. Die Idee sei, in einem kleinen Hofladen Eier zu vermarkten. Und auch hofeigene Früchte.

Derweil grinsen die Kinder am Tisch und fügen an, der Weg in die Schule sei cool. Zwei sind mit dem Velo unterwegs, die Jüngste mit dem Schulbus.

Und schon klingelt wieder das Telefon. Für uns Zeit, aufzubrechen.

"Die Ebnet in drei Wochen saniert"

Es versteht sich von selbst, dass nach vielen Jahren des Gebrauchs im Wohnhaus, das aus den 70er Jahren stammt, Einiges renoviert werden musste. Erneuert wurden die Küche, die Badezimmer, Boden- und Wandbeläge, Rollläden und die ganze Stromverteilung. Auch bei der Kanalisation, der Sockelabdichtung und auf dem Dach wurden diverse Anpassungen und Reparaturen durchgeführt. Besonders zu erwähnen ist die aufwendige und kostspieligen Sanierung der Altlast „Asbest“ in diversen Gewerken. Anfang der 70er Jahre wurde Asbest leider in den unterschiedlichsten Baustoffen verwendet. Der Asbest musste gemäss den heutigen Richtlinien unter Atemschutz entfernt und anschliessend die Luft und die verbleibende Bausubstanz auf Schadstofffreiheit geprüft und freigegeben werden. Nach diesen umfangreichen Sanierungen kann der neuen Pächterfamilie ein wohnliches und zeitgemäss „Heim“ geboten werden, in dem sich - so der O-Ton anlässlich unseres Besuchs im Februar - „gross und klein“ bereits wohl fühlen.

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